Vom Geben und Nehmen der Fotografen

Liebe Kunden, Freunde, Kollegen, liebe Leser, heute bin ich sauer.
Aber bevor ich dazu komme, warum das so ist, möchte ich erst loben und mich freuen, von Kollegialität schreiben und schönen Begebenheiten. Der ein oder andere behauptet, das Internet ist der Teufel, die Wärme zwischen Menschen geht verloren, man kennt sich gar nicht (mehr) richtig, alles ist oberflächlich.Ich erlebe dank social networking, dank facebook-Gruppen, dank öffentlicher Beiträge und dem stöbern auf den Seiten meiner Kollegen etwas anderes: ein Kennenlernen, einen Zusammenhalt, einen regen und täglichen Austausch mit deutschen und ausländischen Fotografen, Künstlern und Dienstleistern, den ich ohne das Internet nicht haben und vor allem aufrecht erhalten könnte.

Ich liebe es!
Ich kann Fragen in den entsprechenden Gruppen und Foren stellen, bekomme hilfreiche  und kompetente Antworten, manchmal auch nur einen Denkanstoß. Klar ist, dass ich ebenfalls Fragen beantworte und im Einzelfall ganz intensiven Austausch betreibe. Ich erhalte Tips und Anregungen, von denen ich gar nicht wusste, dass ich sie benötige und dann stellt sich raus, wie sehr mein Fotografenleben einfacher wird.
Es werden Links, Tricks, Bilder, Anleitungen, Adressen (…von Herstellern, Dienstleistern, Anbietern), Bearbeitungsbeispiele, Videos, Unterlagen, Textvorschläge, Verbesserungen, rechtliche Hinweise, Lob und Kritik gepostet. Geteilt. Für Kollegen. Damit jeder von dem profitieren kann, was man selber grade gelernt oder schon länger gewusst hat. Es ist in der Regel ein interner Austausch in geschlossenen Fotografen-Gruppen oder in persönlichen Gesprächen. Klar, unsere Kunden müssen nicht unbedingt wissen, woher wir xy beziehen – oder es ist tatsächlich auch uninteressant bis „sinnlos“ manches öffentlich zu teilen, da nur angemeldete Fotografen bei bestimmten Herstellern bestellen dürfen.

Ich gebe mein Wissen sehr gerne an die Kollegen weiter.
Durch ein paar gemeinsame Jahre, in denen man sich im Internet immer wieder über den Weg läuft, „kennt“ man sich, baut auch Vertrauen auf. Ich schreibe eine Kollegin an, weil mir ein Dekogegenstand in ihrem Bild gut gefallen hat. Ob sie mir die Bezugsquelle nennen kann? Klar! Ich erhalte Nachfragen, wo ich meine Schachteln bestelle – die Info gebe ich gerne weiter.
Mir gefällt eine besondere Aktion wirklich sehr gut, ich glaube, sie passt zu meiner Arbeit – ich frage die Kollegin aber erst mal an ob sie etwas dagegen hat, dass ich ihre Idee für meine Kunden nutze. Sie findet es toll, dass ich nachfrage, hat aber überhaupt kein Problem damit. Schön! Aber zwischen uns liegen auch mehrere 100km, wir „klauen“ uns keine Kundschaft. Kurze Zeit später fragt mich ein anderer Fotograf, ob ich es befremdlich finde, wenn er fast zeitgleich mit mir ein Minishooting anbietet, es wäre ihm unangenehm, er fühlt sich wie ein Nachmacher. Ich kann nur schmunzeln, erkläre, dass ich die Minishootings auch nicht erfunden habe und dass er selbstverständlich solch eine Aktion starten kann.
Die Kommunikation und der Anstand sind zum Großteil sehr sehr gut. Ich finde es toll!
Immer abrufbares Wissen, immer sichtbare Bilder, alles aktuell, der einfachste Weg, sich zu informieren und die Kunden zu informieren. Jeder kann an allem teilhaben.

Der ein oder andere behauptet, das Internet verführe. Da alles immer und für jeden verfügbar ist, kann auch jeder und immer nehmen, was er will. Wird es veröffentlicht, gehört es allen?
Erst hörte ich es nur von anderen, bekam am Rand mit, dass Fotografin A ihren Geschäftsnamen so abgeändert hat, dass er fast wie der von Fotografin B klingt, die aber nur 30km weiter ihr Geschäft betreibt. Zufall? Doof gelaufen? Eiskalt?
Ein Shop mit Studioausrüstung eröffnete, bot für den deutschen Markt erstmals bestimmte Deko an. Kurze Zeit später sprangen weitere Shops auf den Zug auf. Einer hatte die Idee, andere profitierten. Mehrere 100km Abstand waren uninteressant bei Versandhandel.
Hersteller hochwertiger und handgefertigter Ware schlossen wieder. Die nachgemachte Massenware machte es ihnen zu schwer, mit ihren Preisen für individuelle Herstellung zu bestehen.
Fotografen berichteten entsetzt, dass die online-Suche ihrer selbst verfassten Texte (Preisinfo, Informationen für Kunden,…) mehrere Treffer landete: neben ihren eigenen Seiten fanden sie zig andere. Andere Seiten fremder Fotografen, die einfach komplette Texte von Fotografenseiten kopierten und sie als ihre eigenen ausgaben. Besonders interessant dann, wenn sogar die Rechtschreibfehler mit kopiert wurden oder Teile der Kontaktdaten.
„Interessierte“ spionierten online naive Fotografinnen aus um dann kurze Zeit später im nächsten Ort einen eigenen Laden zu eröffnen.
Alles ziemlich unfassbar, sehr dreist, gemein, teils existenzbedrohend- und vernichtend.


Mir passierte nichts, also nichts, was ich mitbekommen hätte jedenfalls. Gut, eine mysteriöse südamerikanische Seite klaute 2 Bilder, missachtete meine Zahlungsaufforderung, löschte die Bilder aber immerhin umgehend.

Es ist schon faszinierend, dass ich einen Text über Geben & Nehmen und vor allem Stehlen im Internet schreibe…..und es geht n i c h t um Bilder.

Eines Tages passierte es. Ich konnte nicht fassen was ich sehen musste. Ich hatte wenige Wochen zuvor ein sehr sehr sehr spezielles Projekt im Internet und auf kleinen Plakaten vorgestellt. Etwas, was es in meiner unmittelbaren Umgebung wirklich noch nicht, nicht einmal ein bisschen vergleichbar, gegeben hatte. Ich sah also mein Projekt, meine Idee, meine Ausarbeitung – aber nicht von mir. Mich hat das vor allem sprachlos gemacht. Konnte es Zufall sein, gab es einen winzig kleine Chance, dass jemand anderes zeitgleich auf die Idee gekommen war und das so nah?
Ich hatte ein schreckliches Gefühl in mir. All meine Arbeit, mein wochenlanges Gedankenmachen. Doch Zufall, doch einfach Pech gehabt, den besseren Zeitpunkt verpasst gehabt? Ein Unwohlsein blieb zurück, ein großes Misstrauen.
Natürlich veröffentlichte ich weiter: neue Bilder, neue Ideen, Projekte. Meine Kundschaft findet mich im Internet, ich m u s s veröffentlichen und aktiv sein.

Was folgte? Mein Gefühl, dass meine Ideen, ich sage mal, aufgenommen wurden, verfestigte sich. Ich konnte „mich“ erkennen. Irgendwann erkannte ich meine Dekoration, nicht nur ähnlich, sondern 1:1. Irgendwann fühlte ich mich verfolgt. Irgendwann waren es meine locations, meine Themen, mein Preiskonzept, meine flyer.
Ich bin jetzt nicht mehr misstrauisch, ich weiß jetzt ja, was mit meinen Ideen passiert.

Ich veröffentliche um meine Arbeiten zu zeigen, bei Kunden präsent zu bleiben, Neuerungen schnell zu verbreiten und um auf diesen schnellen Wegen neue Kundschaft anzusprechen.

Man könnte sagen, dass es eben das Internet ist und ich darauf verzichten muss. Zeige ich öffentlich nichts, nimmt auch keiner die Idee. Das möchte ich aber nicht, das geht auch nicht.

Man könnte sagen, dass es mir egal sein soll.
Ich könnte mit den Schultern zucken und mich einfach daran freuen, dass meine Kunden mich buchen, egal was 1000km, 100km oder 10km weiter passiert.
Aber ich habe solch einen Ärger in mir. Darüber, dass ich:
- recherchiere
- Händler, Dienstleister, Druckereien etc. ausfindig mache
- Inspirationen aus Bildern andere Fotografen völlig umarbeite, in meinem Kopf neu sortiere, in meine Bildwelt einarbeite, wieder verwerfe, dann verbessere, doch ausprobiere und dann für mich adaptiere
- teils wochenlang gestalte, texte, Gedankenspiele spiele
- hart dafür arbeite, auf meine Art zu fotografieren.

Nein, ich ärgere mich nicht darüber, dass ich zu viel Arbeit habe, denn ich liebe nicht nur das Fotografieren  selber, sondern alles, was schon im Vorfeld dazu gehört! Ich mache das gerne, es gehört dazu. Es ist ein Weg, den man gehen muss um gute Ergebnisse zu präsentieren.

Es ist aber gemein, dass ich mir diese Arbeit mache und jemand anderes sich die fertigen Ideen, für die ich wochenlang gearbeitet habe, mal eben nimmt. So geht es einfach nicht.
Es ist nicht nur Nehmen. Und wenn man nimmt, dann bitte fair. Nachfragen wäre mal ein Weg.

Was will ich überhaupt? Mit diesem Text, mit der Situation?

Klar, ich möchte mir mal Luft machen  :D

Ich hatte auch den Anspruch zu zeigen, wie es auf faire, realistische Art funktionieren kann zwischen den Fotografen und hoffe, ihr habt alle sehen können, dass es keinesfalls generell darum geht, nur für sich im stillen Kämmerlein auf den vermeintlichen Betriebsgeheimnissen zu hocken, beleidigt zu sein, wenn jemand die eigene Arbeit inspirierend und nachahmenswert findet oder es doof zu finden, dass man nicht die einzige deutschlandweit ist, die Babyfotografie anbietet ;)
Nein, ich finde wie gesagt es ganz ganz großartig, wie i c h von den Kollegen profitieren kann, freue mich, wenn ich helfen darf! Ich liiiiiiiiiiebe es, auf pinterest nach Inspiration zu speziellen Themen zu suchen und natürlich profitiere ich mächtig von der Kreativität und wochenlangen Arbeit anderer. Ich kann fertige Ideen übernehmen.
Aber ich mache das nicht einfach so. Ich habe den Anspruch, es für mich anzupassen.
Ich möchte niemanden ausnutzen. Das ist doch ultrapeinlich.
Ich frage nach, ob etwas dagegen spricht, dass ich eine Idee übernehme (ähm ja ok, ich schreibe tatsächlich niemanden in den Staaten an, aber ganz ehrlich ist das wohl auch echt in Ordnung so)
Ich achte darauf, dass wir uns räumlich nicht zu nahe sind.

Werde ich etwas verändern?
Hm. Schon länger bin ich (wieder?) auf dem Trip, mehr individuell handwerklich zu arbeiten. Ich erschaffe Werke mit meinen Händen. Da kann man nicht einfach hingehen und diese Idee schnell mal mitnehmen. Auch meine Studioeinrichtung, meine Accessoires für die Neugeborenen- und Familienfotografie lasse ich teils von Hand herstellen, kaufe bei Künstlern die Einzelstücke liefern oder stoße auf Flohmärkten und in alten Scheunen auf so tolle Unikate, dass ich mir gar keine Gedanken darum machen muss, wie andere das jetzt auch noch hinkriegen. Ich nähe sogar das ein oder andere Stück selber. Das alles ist die Folge einer ganz persönlichen Fotografenentwicklung, aber zum Teil auch davon, dass ich mich bedroht fühl(t)e. Ich möchte Individualität liefern, auch für meine Kunden finde ich das wichtig.
Ich werde aber einen Teufel tun und mich behindern lassen!
Misstrauen und Angst sind weg. Ich sehe ja, dass ich gut gebucht werde, meine Kunden immer wieder kommen, mich empfehlen.
Ein verärgertes Gefühl bleibt dennoch und ganz ehrlich, bei jeder wieder neu entdeckten fremdverwendeten Idee, die doch eigentlich ich erst kürzlich hatte & präsentierte, drückt kurz ein ganz mieses Gefühl in meinen Magen, ich fühle mich benutzt, ausgenutzt, ich bin schockiert und traurig.

In meinem Kopf wird aber nicht bei jedem kreativen Schritt leise die Sorge murmeln. Ich gehe weiter meinen Fotografenweg, biete an, was ich gut kann, was mir gut gefällt, ich tue das mit Begeisterung und Hingabe und ich verstecke nichts.
Viel mehr kann ich mir ehrlich gesagt gar nicht wünschen!
----- update ----- 25.02.2015:
Ich habe unheimlich viele Rückmeldungen zu meiner Empörung und meinem Text bekommen. Ganz viel positive und bestärkende, aufbauende Worte von Kunden. Solidaritätsbekundungen von Kollegen, von völlig Fremden aus anderen Branchen, von Freunden. Erschreckend viele kennen das Gefühl, aus der direkten Konkurrenznachbarschaft bestohlen zu werden, teils mit völlig absurden Auswirkungen.
Ich habe Rückmeldungen bekommen mit noch mehr Infos zu weiteren Ideennachmachereien, von denen ich bisher gar nichts mitbekommen hatte oder nicht in dieser unfassbaren Dreistigkeit. Es geht alles viel weiter als ich erahnt hatte. Auch wenn ich mich eigentlich recht sicher fühle, schockiert mich das dennoch wieder einmal und es erschüttert mich, dass jemand eine so klare Linie fährt und mich ausnimmt.
Ich kann derzeit nichts dagegen tun.
Ich werde n i c h t den Namen nennen oder Hinweise auf das Unternehmen geben. Es geht mir nicht darum, dass Schaulustige ihre Befriedigung erhalten und ich möchte keine primitive Schlammschlacht.
Dennoch werde ich in Anbetracht der Tatsache, dass das alles noch viel mehr und viel dreister ist als je geahnt, die allererste Chance nutzen um rechtlich gegen diese Handlungen vorzugehen.
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