Das soziale Hamsterrad

Wie erfrischend. Ganz echt haben wir uns getroffen: Berufsfotografen unter sich.
Einfach drauflos geplaudert und schon war da die ein oder andere Neuigkeit erzählt:
das Labor xy bekommt eine neue Software! Die besten Drucke gibt es bei dem!
Diese Album habe ich dort bestellt, Mensch, sieht ja toll aus! Wir haben letztens in Italien fotografiert. Meine Fenster haben eine Südostausrichtung, probier doch mal......

Sich von Angesicht zu Angesicht zu treffen ist unglaublich produktiv. Dazu so nett!
Ein Gesicht, eine Stimme, Austausch, Freundlichkeit.


Wieder zu hause schaue ich mir meinen Instagram Account an. Rege mich erstmal total auf.
Irgendso ein Typ hat nun zum bestimmt 6. Mal meinen Account "entfolgt". Immer wieder kommt der neu
dazu um eine Stunde bis einen Tag später wieder zu gehen. WTF? Ich soll wohl offensichtlich aufmerksam gemacht werden auf seine Dienstleistung. Irgendwas was mich nicht interessiert in einem Land weit weg. Ich habe kein Interesse. Er hingegen folgt allem was ihm irgenwie auffällt um Aufmerksamkeit zu erzeugen, merkt nicht (oder es interessier ihn nicht?) dass er zum drölfzigsten Mal bei mir landet. Und ich bin entnervt weil ich merke, dass so ein like oder ein Herzchen oder ein follower oder wie auch immer das jeweils heißt mir
was bedeutet. Ja bin ich denn bescheuert???


Die Berufsfotografen scheinen allesamt begeistert vom ersten Treffen. Wir bedanken uns für
die Organisation, wir planen einen Rythmus, wir befreunden uns auf facebook, wir schauen
online Bilder an und finden uns auf Instagram, wir sind motiviert, haben weitere Ideen.
Wow, ist das schön! Sowas habe ich gesucht!

Facebook nervt mich. Ich kann immer wieder keine links an meine Kunden schicken. Ständig werden mir
neue likes angezeigt die dann nicht erscheinen. Oder sie sind ohne Hinweis plötzlich da und dann
wieder weg. Und dann die eingeschränkte Reichweite....oberätzend.
Wie soll ich denn da Kunden ansprechen? Ich dachte, ich nutze das System und fahre gut damit.
Jetzt muss ich dies und das und werben? Ich seh das gar nicht ein.
Und irgendwo ist der Gedanken, dass Werbung aber nun mal dazu gehört und Werbung Geld kostet.
Ist doch klar. Was für ein Durcheinander in meinem Kopf. Ich muss mich sortieren.

Ich bin im Hamsterrad. Mache mit. Ja sicher doch! Ist ja auch sinnvoll. Ich präsentiere mich, zeige mich.
Ich, das bin ich in meiner Arbeit und meinem privaten Leben. Ist das jetzt hip und macht man das so?
Ich als eine von allen die ihr Wohnzimmer zeigen oder ihre Lavendelmuffins? Kann ich dagegen sein,
muss ich es anders machen, ziehe ich Grenzen? Und warum überhaupt? Spricht etwas dagegen, dass ich
als eine Einheit aus Privatmensch und Arbeitsantje etwas N I C H T mache oder zeige?
Ein entschiedenes N E I N an dieser Stelle - denn ich fühle mich wohl mit meinem Grad an Offenheit.
Etwas anderes gilt für mich nicht als: ich möchte mich wohlfühlen! Puh, was für eine Erleicherung diese Entscheidung überzeugt auch im Nachhinein verteidigen zu können. Die Offenheit....die ist also gar
nicht das Problem.
Worüber muss ich mir nochmal Gedanken machen?
Regt mich da irgendwas auf?
Ja doch.
Ich bin entschieden dafür, dass ich die sozialen online-Dienste als Teil meines Lebens, des Lebensaltags
unglaublich vieler Menschen, als Werbeplattformen, Kommunikationsmittel und Normalität sehen kann.
Warum aber bin ich angepiekt, wenn dieser Typ immer wieder meine Anzahl von followern verkleinert?
Wieso sind likes gut und geringe Reichweiten schlecht? Was macht das mit mir?

Sich von Angesicht zu Angesicht sehen ist einfach gut.

Ich bin auch nur ein Rädchen im großen System. Negative Gefühle abprallen zu lassen, selbst wenn sie rein
digital erzeugt werden, ist nicht einfach. Ein Lerneffekt muss einsetzen. Mein Lernziel sollte sein, dass vieles
egaler ist. Mein Lernziel sollte sein die Möglichkeiten zu schätzen und zu erkennen. Entnervt oder beleidigt
zu sein ist verschwendet. Möglichkeiten sind überall. Raus aus dem Hamsterrad, rein ins Vergnügen.
Sich online zu präsentieren ist gut für Geschäft. Das ist Fakt. Ich werde gesehen, gefunden, gebucht.
Mich nicht darauf zu verlassen, dass das ausreicht ist sinnvoll. Fühler ausstrecken, mich nicht
vereinnahmen lassen ist besser.

Möglichkeiten erkennen. Menschen kennenlernen. Kontakte nutzen. Drüber reden. Mal was ausprobieren. Den Kopf zurecht gerückt.
Ist ja fast schon so vintage, dass es hip sein müsste ♥

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